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Rund Jütland 2005

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Rund Jütland

Mit Shorts, Sandalen und Regenschirm in aller Herrgotts Frühe durch den strömenden Regen zum Boot waten, sich das Ölzeug überstülpen und bei steifem Nordost der Pappelallee folgend in die graue See hinaus … Jeder normale Mensch zieht bei diesen Bedingungen die Schlafzimmergardine schnell wieder zu und dreht noch ne Runde in der warmen Koje. Aber es gibt noch mehr Verrückte; Siggi und Eckhard begleiteten mich – und das ganz freiwillig! Ja, sie freuten sich mit mir auf diese schon lange geplante Herausforderung. Denn wir hatten uns etwas nicht ganz Alltägliches vorgenommen: wir wollten Jütland umrunden. Die nördliche Spitze Dänemarks wollten wir uns verkneifen, dafür kam der Norden Schleswig-Holsteins hinzu. Gewässer mit ganz unterschiedlichen Reizen und Anforderungen warteten auf uns. Neben der Ostsee wies unser Routenplan noch Nord-Ostsee-Kanal, Eider, Nordsee (!) sowie – unser eigentliches Urlaubsziel – den Limfjord auf.

Die Planung begann dort, wo der Sportbootschein vor vielen Jahren endete. Den Vollmond am sternenklaren Nachthimmel sah ich nun wieder unter ganz anderen Vorzeichen. Wir Ostseesegler haben ja mit unserem Boot eigentlich schon genug zu tun. Doch nun muss ich mich wohl oder übel auch noch ums Wasser kümmern und schauen, ob es überhaupt da ist. Sorgfältig geplant ging es dann Ende Juli mit einer Mischung von Neugierde und Respekt auf zu neuen Ufern. Mit Gezeiten, Wasserständen und Strömungsverhältnissen hatte ich mich intensiv auseinandergesetzt, doch die wie ein Wasserfall über uns runterprasselnden Regengüsse standen nicht auf dem Plan. Aber unsere hochgeschätzte „Schwiegermutter“ legte bei Petrus ein gutes Wort für uns ein. Beim Passieren der Tonne 6 verzogen sich die dunklen Wolken zu unseren dänischen Nachbarn und die Sicht wurde zunehmend besser. Unsere bis dahin schnaubende „Kleine Maus“ konnten wir nun mit dem für die Fortbewegung vorgesehenen Segelkleid schmücken und den Jockel verstummen lassen. Aus dem steifen Nordost wurden annehmbare 3 – 4 Beaufort, die wir bis Kalkgrund jedoch genau auf die Nase bekamen. Schließlich konnten wir den Kurs von 150 Grad bis Kiel prima halten ohne erneut zu kreuzen. Das Ölzeug hatten wir längst gegen Sonnenbrille und –creme eingetauscht.

Die Kieler Förde wurde uns schon lange voraus durch das Leuchtfeuer und das weithin sichtbare Ehrenmal in Laboe angekündigt. Auf der Höhe von Bülk wurden dann auch die kleinen flinken Lotsenzubringer sichtbar. Sie hatten heute offenbar jede Menge zu tun. Tanker und Frachter müssen schließlich unbeschadet durch den NOK bis hinaus zur Außenförde geleitet werden. Unsere ganze Aufmerksamkeit galt jedoch einem großen Kreuzfahrtschiff. Die schwergewichtige Dame „Prinsendam“ (38.000 BRZ) hatte soeben die Holtenauer Schleuse passiert und war mit 800 Gästen auf dem Weg von Amsterdam in die Ostsee. Schon einige Wochen zuvor konnte ich mit befreundeten Koblenzer Landratten bei der Besichtigung der Schleuse und einem Abstecher in Schilksee die Betriebsamkeit in Kiel im krassen Unterschied zu unserer idyllischen Flensburger Förde wahrnehmen. Hier tobt auch an normalen Tagen der Bär. Kiel ist eben Durchgangsstation für „Weltenbummler“ und somit ein bedeutsamer Treffpunkt mit internationalem Flair. Das schwüle, fast subtropisch wirkende Klima, zwingt mich nach dem Festmachen in Holtenau bei einsetzendem Regen und vor dem drohenden Gewitter außenbords ein erfrischendes Bad zu nehmen. Die anschließende Dusche gab es gratis von Petrus dazu (danke, „Schwiegermama“).



 
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